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Societatea
Germanistilor din România (SGR)
Gesellschaft der Germanisten
Rumäniens (GGR)
- Comitetul / Das Komitee -
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Homepage:
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Stellungnahme des Landeskomitees
der GGR zum IVG-Kongreß in Wien
(10.-16. September 2000)
Die Gesellschaft der Germanisten
Rumäniens verfolgt mit großer Aufmerksamkeit die weltweit geführte
Diskussion um den Wiener IVG-Kongreß und bekundet ihre Sorge um die
fremden- und kulturfeindlichen, von Intoleranz und ideologischer
Ausgrenzung geprägten Äußerungen der Haider-Partei, die nun leider
in eine Regierungspolitik weitgehender Etatkürzungen im
Kulturbereich Eingang gefunden haben. Der Nachruf der Redaktion der
informativen Broschüre ZIRKULAR ist ein schmerzhaftes Beispiel
dafür.
Gerade angesichts solcher Versuche und Trends ist der Zusammenhalt
aller Fachangehörigen nötiger denn je. Ihr Treffen alle fünf Jahre
bietet die Gelegenheit zu persönlichen Kontakten und zu gemeinsamen
Stellungnahmen, die unter allen Umständen wahrgenommen werden muß.
Es gilt umso mehr zu zeigen, daß die IVG in der Tat eine
"internationale Organisation zur persönlichen Begegnung und
wissenschaftlichen Zusammenarbeit in Internationalität, Offenheit,
Freiheit und Toleranz" darstellt - wie es im Brief des
IVG-Präsidiums vom 9. März 2000 heißt. Im gleichen Brief betont das
IVG-Präsidium, die IVG sei "an keinen Staat und dessen Regierung
gebunden und würde auch keinerlei eventuell an sie herangetragene
politische Forderungen akzeptieren".
Der IVG-Kongreß kann gerade angesichts seines diesjährigen
Austragungsortes sowohl durch das Diskussionsforum zum Thema "Hat
die Germanistik politische Verantwortung zu übernehmen?" als auch
durch die vielen persönlichen Begegnungen und Gespräche die
Gelegenheit bieten, die in der Erklärung des Instituts für
Germanistik der Universität Wien erwähnte Verantwortung
wahrzunehmen, nämlich "politische Entwicklungen kritisch zu
diskutieren und zu analysieren sowie im Sinne demokratischer und
gesellschaftspolitischer Grundwerte wie Offenheit, Toleranz und
Internationalität klare Position zu beziehen."
Die in Rumänien tätigen Germanisten wissen aus der eigenen
historischen Erfahrung, was Intoleranz, Menschenverachtung sowie
nationalistische und ideologische Engstirnigkeit bedeuten. Deshalb
sind sie fest davon überzeugt, daß sich auch der IVG-Kongreß in Wien
ebenso wie die vorangegangenen und künftigen IVG-Kongresse zum Forum
"einer weltoffenen, nichtnationalistischen Sprach- und
Literaturwissenschaft" - wie es in der Stellungnahme des Deutschen
Germanistenverbandes heißt - gestalten wird.
Gerade in diesem Geiste verlief auch der V. Kongreß der Germanisten
Rumäniens, der vom 22.-25. Mai 2000 in Iasi/Jassy stattfand und an
dem sich etwa 150 rumänische sowie annähernd 60 ausländische
Fachkolleginnen und -kollegen teilgenommen haben.
Bukarest, den 1. September 2000
Für das Landeskomitee
Prof. Dr. George Gutu, Präsident der GGR
* * * * *
Anhang
1. Brief des
IVG-Präsidiums an die Sektionsleiterinnen und Sektionsleiter und die
Referentinnen und Referenten des 10. Internationalen
Germanistenkongresses sowie die Mitglieder der IVG
Wien, am 9. März 2000
Sehr geehrte Kolleginnen und
Kollegen!
Das Präsidium der IVG und die an der Organisation des 10.
Internationalen
Germanistenkongresses in Wien vom 10.-16. September 2000 beteiligten
Wiener Germanisten verfolgen mit großer Sorge die aktuelle
Diskussion um die neue österreichische Bundesregierung und die
hierdurch ausgelösten internationalen Reaktionen.
Der IVG ist solche Sorge im 50. Jahr ihres Bestehens insofern
besonders angelegen, als ihre Konstituierung auf Anregung jener
Fachangehörigen erfolgte, die im Dritten Reich zur Auswanderung
gezwungen waren. Nach Beendigung des Faschismus und des Zweiten
Weltkrieges waren sie es, die den Kontakt mit den Fachangehörigen in
den deutschsprachigen Ländern suchten und gemeinsam mit ihnen die
IVG gründeten als internationale Organisation zur persönlichen
Begegnung und wissenschaftlichen
Zusammenarbeit in Internationalität, Offenheit, Freiheit und
Toleranz als Beitrag zum Neuaufbau des Faches und zur Schaffung
neuer kultureller Werte in einer freien demokratischen Gesellschaft.
Diese Ziele hat die IVG auch weiterhin eingehalten. In ihrer freien
Internationalität ist sie auch an keinen Staat und dessen Regierung
gebunden und würde gemäß ihren Grundsätzen auch keinerlei eventuell
an sie herangetragene politische Forderungen akzeptieren.
Trotz und gerade wegen der in und für Osterreich politisch
schwierigen Situation tritt das Präsidium der IVG für die
Fortführung und Förderung weltweiter internationaler
wissenschaftlicher und persönlicher Kontakte und Kooperationen auf
ihren Kongressen ein und ist sich dabei der politischen
Verantwortung bewußt. So hat das Präsidium beschlossen:
1. Der 10. Internationale Germanistenkongreß wird vom 10.- 16.
September 2000 in Wien stattfinden
2. Es wird am Dienstag, dem 12. September 2000 um 10.30 Uhr ein
Diskussionsforum zum Thema „Hat die Germanistik politische
Verantwortung zu übernehmen?“ eingerichtet
3. An der Kongreßeröffnung als Festakt zum 50-jährigen Bestehen der
IVG am Montag, dem 11. September 2000 um 9.00 Uhr im Großen
Musikvereinsaal werden keine österreichischen Regierungsmitglieder
beteiligt sein.
So laden wir Sie nachdrücklich zur Teilnahme am 10. Internationalen
Germanistenkongreß in Wien vom 10-16. September 2000 ein und hoffen,
Sie in Wien begrüßen zu können.
Peter Wiesinger.
e. h. (Präsident, Wien), Eda Sagarra. e. h. (Vizepräsidentin,
Dublin),
Bengt Algot Sørensen. e. h. (Vizepräsident, Odense)
2. Der Vorstand
des Deutschen Germanistenverbandes: Erklärung zum IVG-Kongreß in
Wien
Die österreichische Hauptstadt ist
zur Zeit für wissenschaftliche Kongresse kein normaler Tagungsort.
Der 10. Weltkongress der ‚Internationalen Vereinigung für
Germanische Sprach- und Literaturwissenschaft’ vom 10.-16. September
2000 findet zu einer Zeit statt, in der erstmals seit dem 2.
Weltkrieg eine rechtspopulistische Partei in einem deutschsprachigen
Land an der Regierung beteiligt ist. Gerade eine Wissenschaft, die
die deutsche Sprache und Literatur zum Gegenstand hat, ist gegenüber
rassistischen und
fremdenfeindlichen Verbalattacken, wie sie aus der Haider-Partei
belegt sind, besonders sensibel. Für viele Fachkolleginnen und
-kollegen, gerade auch Mitglieder unseres Verbands, ist ihre
Teilnahme am Kongress zu einem Problem geworden, besonders auch im
Blick auf den von den EU-Regierungen beschlossenen Boykott der
jetzigen österreichischen Regierungskoalition. Es darf nicht der
Eindruck entstehen, dass die
Wissenschaft in der jeder politischen Lage und wo auch immer
unbeeindruckt ihrer Arbeit nachgehen kann.
Die Internationale Vereinigung für Germanische Sprach- und
Literaturwissenschaft hat dezidiert antifaschistische Ursprünge. Sie
war wesentlich von Emigranten mitbegründet, die im Hitlerdeutschland
nicht mehr hatten leben und arbeiten können. Erst 40 Jahre nach dem
Krieg war die IVG bereit, erstmals in Deutschland zu tagen. Aus
ihrer Gründungsgeschichte und ihrem Selbstverständnis heraus
befindet sich die IVG auf der Seite der österreichischen
Wissenschaftler, die sich angesichts der jetzigen
Regierungskoalition „gegen Diskriminierung auf Grund von Herkunft,
Rasse, Hautfarbe, Geschlecht und Religion“ aussprechen (so z.B. die
Stellungnahme der Medizinischen Fakultät der Universität Wien).
Die alle fünf Jahre stattfindenden Weltkongresse der IVG waren immer
Foren einer weltoffenen, nichtnationalistischen Sprach- und
Literaturwissenschaft. Das wird auch in Wien nicht anders sein. Der
Kongreß, der bereits vor fünf Jahren in Vancouver beschlossen wurde,
steht naturgemäß in Opposition zu den fremden- und
intellektuellenfeindlichen Verlautbarungen der Haider-Partei. Er
bietet die Gelegenheit, Positionen von Wissenschaftlern,
Schriftstellern und Künstlern, die von der Haider-Partei angegriffen
worden sind, öffentlichkeitswirksam zu verteidigen.
Dies hat das Präsidium der IVG mit einem am 9. März allen
Mitgliedern und
Kongreßbeteiligten zugeschickten Rundschreiben deutlich gemacht. Das
ursprünglich vorgesehene Programm ist an wichtigen Punkten
verändert. Beim Kongreß werden keine Repräsentanten der
österreichischen Regierung auftreten. An herausgehobener Stelle im
Programm wird ein Forum eingerichtet mit dem Thema: „Hat die
Germanistik politische Verantwortung zu übernehmen?“ Wir sind der
Überzeugung, daß die Frage zu bejahen ist und das Forum Gelegenheit
bietet, gegen Rassismus und Intoleranz offensiv
Stellung zu beziehen.
Für den Vorstand:
Hartmut Kugler
3. Erklärung der
IK des Instituts für Germanistik der Universität Wien
Wir sehen uns zu dieser Erklärung
veranlasst als Universitätsangehörige, die von der aktuellen
politischen Lage unseres Landes, von der zu befürchtenden steigenden
Intoleranz und Provinzialisierung der österreichischen
Öffentlichkeit und von der selbstverschuldeten außenpolitischen
Isolation unseres Landes massiv betroffen sind.
Mit einer hohen Zahl von Bürgerinnen und Bürgern in Österreich und
in befreundeten Staaten teilen wir die Besorgnis aufgrund der
Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen Partei Österreichs. Mit
tiefer Abneigung haben wir die fremdenfeindlichen Tendenzen im
Wahlkampf der Freiheitlichen und die problematischen Äußerungen
führender
Parteifunktionäre zur österreichischen Geschichte, namentlich zum
Nationalsozialismus, wahrgenommen.
Wir stehen dieser Regierung außerdem kritisch gegenüber, weil sie
weder in der Lage scheint, Österreich außenpolitisch adäquat zu
vertreten, noch ein gedeihliches innenpolitisches Klima schaffen
kann, in dem die österreichische Gesellschaft toleranter und
weltoffener wird, sich gegen Antisemitismus, Nazismus, Xenophobie
und Rassismus immunisiert und so das Bewusstsein ihrer
Verantwortlichkeit gegenüber den historischen Katastrophen des 20.
Jahrhunderts schärft.
In unserer Eigenschaft als Sprachwissenschaftlerinnen und
Sprachwissenschaftler beobachten wir mit Besorgnis den zunehmenden
Verlust einer verantwortungsvollen politischen
Sprachkultur.Politischer Diskurs und politische Handlung sind nicht
voneinander zu trennen. Der politische Diskurs der FPÖ arbeitet mit
Strategien, die sich auf die Sprache des Nationalsozialismus
beziehen und frauen-, minderheitenfeindliche und
rassistische Ressentiments bedienen.
Als Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftler sehen
wir mit Bestürzung, dass mit der FPÖ eine Partei
Regierungsverantwortung trägt, die für hetzerische Kampagnen gegen
herausragende österreichische Künstlerinnen und Künstler,
insbesondere gegen Autorinnen und Autoren verantwortlich ist. Bis
jetzt hat es keinerlei Distanzierung der FPÖ davon gegeben.
Die Universität hat eine sensible gesellschaftspolitische Aufgabe.
Sie trägt insbesondere die Verantwortung, politische Entwicklungen
kritisch zu diskutieren und zu analysieren sowie im Sinne
demokratischer und gesellschaftspolitischer Grundwerte wie
Offenheit, Toleranz und Internationalität klare Position zu
beziehen. Wir verweisen in diesem
Zusammenhang auf die Erklärungen der österreichischen
Rektorenkonferenz und der Akademischen Senate der Universitäten Graz
und Wien.
Die Institutskonferenz
des Instituts für Germanistik der Universität Wien
am 24. 3.2000 - auf einstimmigen Beschluss
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