VII. Kongress der Germanisten Rumäniens, Timişoara/Temeswar, 22.-25. Mai 2006 - Comitetul de organizare / Das Organisationskomitee - Str. Pitar Moş 7-11 / RO-010451 Bucuresti Tel. + Fax.: 0040-21-252.59.72; Tel.: 0040-21-252.15.51; 0040-21-318.15.79 (int. 27) E-mail: gutugeorge@yahoo.de Homepage: http://www.ggr.ro
Sektion 6: Interkulturelle Kommunikation und anthropologische sowie kulturell-literarische Interreferentialität Forum: 'Zigeuner' als Fremde und Arme? Zur Darstellung von 'Zigeunern' in literarischen und ethnographischen Texten Exposé
‚Zigeuner’ wurden oft als eine sozial und/oder ethnisch determinierte Gruppe wahrgenommen, die in Ost- und Westeuropa seit Jahrhunderten lebte, dennoch aber meist von den Mehrheitsgesellschaften ausgeschlossen blieb und ein ‚geheimnisvolles Eigenleben’ führte.
Im Rahmen dieses Forums werden Vorträge erbeten, die sich mit ‚Zigeunern’ als Objekten, aber auch als Subjekten der Verhandlung von Inklusion und Exklusion insbesondere in den deutsch- und rumänischsprachigen Gebieten, aber auch in weiteren Regionen Europas befassen. Die Beiträge können sowohl literarische, als auch ethnographische und anthropologische Texte sowie Reiseliteratur ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts behandeln.
Die Definitionen, Beschreibungen und Verortungen von ‚Zigeunern’ ermöglichen zum einen Rückschlüsse auf die Selbstbilder und Fremdheitsentwürfe der jeweiligen Mehrheitsgesellschaften sowie auf Faktoren, die zur Begründung von Praktiken des Ein- und Ausschlusses herangezogen wurden. Zum anderen stellt sich die Frage, inwiefern die Darstellungen von ‚Zigeunern’ in ein vorgefertigtes diskursives Konzept eingebettet sind – etwa, wenn westliche Reisende durch die Beschreibung der ‚Zigeuner’ lediglich die ‚Exotik’ der östlich-habsburgischen bzw. rumänischen Gebiete illustrieren wollen.
I. An Reisebeschreibungen, ethnographische und anthropologische Texte aus dem 18., 19. und beginnenden 20. Jahrhundert könnten etwa folgende Fragen herangetragen werden:
II. Literarische Texte können schon aufgrund ihrer Mehrdeutigkeit ‚Zigeuner’-Darstellungen beinhalten, die klischeehaften Mustern entkommen. In literarischen Werken aus dem ausgehenden 18. bis 20./21. Jahrhundert gilt es zu untersuchen, wie die ‚Zigeuner’-Figuren gestaltet sind und welche Rollen sie innerhalb der Texte einnehmen.
Es wäre zu fragen, wie sich die literarischen Repräsentationen zu Mehrheitsdiskursen über ‚Zigeuner’ verhalten und inwiefern sich positive oder negative Typisierungen ausmachen lassen. Von Interesse ist auch die Art und Weise, wie der Prozess der (gegenseitigen?) Absonderung von Mehrheitsgesellschaft und ‚Zigeunern’ dargestellt wird. Ferner kann es um die Verknüpfungen zwischen ‚Zigeunern’ einerseits und Bedeutungskomplexen wie ‚Kunst’ oder ‚Volk’, ‚Ariertum’ und der ‚indischen Herkunft’ andererseits gehen. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch den Texten nach 1945, denen der Nationalsozialismus und die Ermordung von Sinti, Roma und Jenischen vorangegangen ist.
Als Querschnittsfragen sind zusätzlich folgende Punkte interessant:
Das Forum findet unter Beteiligung des DFG-Sonderforschungsbereiches 600 / Teilprojekt „Zur Semantisierung der Zigeuner von 1850 bis zur Gegenwart“ von der Universität Trier statt (Dr. Stefani Kugler, Dr. des. Iulia-Karin Patrut, Anna-Lena Sälzer, M.A. und Prof. Dr. Herbert Uerlings). Falls Sie Rückfragen haben oder sich mit einem Beitrag beteiligen möchten, wenden Sie sich bitte an Prof. Dr. George Guţu / Bukarest (ggr01@ggr.ro oder gutugeorge@yahoo.de) oder an Iulia Karin Patrut / Trier (jpatrut@yahoo.de).
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