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Bericht über die Tätigkeit des Landeskomitees der "Gesellschaft der Germanisten Rumäniens" 24. März 1990 - 27. November 1992
(Vorgelegt von Univ.-Prof. Dr. George Gutu,
Werte Kolleginnen und Kollegen! Als wir unseren Fachverband organisatorisch ins Leben gerufen haben, nahmen wir uns vor, für die germanistische Tätigkeit in unserem Lande einen entsprechenden, fördernden Rahmen zu schaffen, die Bemühungen aller Germanisten Rumäniens sinnvoll zu vereinen, um somit den Satzungen unseres auf der Gründungssitzung angenommenen Statuts zu entsprechen, in dem es unter anderem heißt: "Die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens vereint Fachleute auf dem Gebiete der Germanistik und ist eine Organisation mit wissenschaftlichem Charakter, deren Ziel es ist, Folgendes zu fördern: a) die germanistischen Untersuchungen (Linguistik, Literatur, Kultur und Zivilisation im deutschen Sprachraum sowie in den Ländern, in denen deutschsprachige Bevölkerungen historisch, aufgrund von schriftlich festgehaltenen Dokumenten ihre eigene geistige Individualität bekundet haben); b) Studien und Forschungen zu intergermanistischen oder Interferenzerscheinungen mit anderen geistigen Räumen, einschließlich des Raums rumänischer Kultur und Zivilisation; c) germanistische Studien zu methodologisch-didaktischen Fragen; d) wissenschaftliche Kontakte zwischen den Germanisten Rumäniens und des Auslands." (Statut, Artikel 2) In einem im Bukarester "Neuen Weg" (seit 1992 "Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien") veröffentlichter Beitrag konnte dann am 19. April 1990 im Zusammenhang mit der neugegründeten "Gesellschaft der Germanisten Rumäniens" und ihren Zielen öffentlich bekundet werden, daß man "am Anfang einer sinnvollen Tätigkeit" stand. "Dieser Fachverband", hieß es dort - "nimmt sich grundsätzlich vor, einerseits an ehrwürdige Traditionen unserer Vorgänger anzuknüpfen und dabei ihre wertvollen Bemühungen fortzusetzen, andererseits den stets anwachsenden Forderungen unserer Zeit in der germanistischen Forschung und Ausbildung gerecht zu werden." Zum Schluß dieses Beitrags wurde ein wichtiger Gedanke hervorgehoben, der auch weiterhin ein Leitgedanke unseres Tuns sein sollte: "Was aus dieser Gesellschaft... werden wird, hängt von den Germanisten unseres Landes ab, von ihrer, also unserer aller kreativen Teilnahme an ihren Aktivitäten, von unserem aller Beitrag zur Verwirklichung der gesteckten Ziele." Das Hauptaugenmerk galt zunächst der organisatorischen Festigung der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens, denn in Artikel 3, Absatz a) des Statuts war die "Gründung von territoriellen Zweigstellen" vorgesehen. Und so konnten dank den Bemühungen und dem Einsatz unserer Kolleginnen und Kollegen folgende Zweigstellen der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens gegründet werden: in Temeswar, Jassy, Constanta, Klausenburg, Pitesti und Bucuresti. Neulich versprachen Kollegen aus Hermannstadt und Kronstadt ihre Trägheit zu überwinden und auch in ihren Städten Zweigstellen der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens zu gründen. Wir können einen solchen Schritt nur herzlichst begrüßen. Es wäre außerdem möglich, in Craiova eine weitere Zweigstelle der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens zu organisieren. Damit wäre im großen und ganzen der organisatorische Rahmen geschaffen, um noch gezielter und intensiver an die Verwirklichung jener sinnvollen Tätigkeit heranzugehen, von der oben die Rede war und die uns allen doch so sehr viel bedeutet. Im Artikel 3, Absatz b) wurden wissenschaftliche Tagungen, Kolloquien, Symposien, Konferenzen mit in- und ausländischer Beteiligung als Aktivitäten angeführt, die die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens entfalten kann und muß, um ihre Ziele zu verwirklichen. In diesem Sinne können wir das im November 1990 durchgeführte Celan-Symposium erwähnen, das sich einer verdienten Beachtung erfreut hat. Das Bukarester Fernsehen brachte in seiner Sendung in deutscher Sprache einen Ton- und Bildbericht von unserem Symposion, während unser Kollege Doz. Dr. Horst Schuller in der "Karpatenrundschau" darüber recht ausführlich informierte. In seinem Kommentar hieß es unter anderem. "Die beste Hervorhebung, der beste Beweis für angestrebte wissenschaftliche (und - wir würden hinzufügen - sprachwissenschaftliche, also gesamtgermanistische; G. G.) Öffentlichkeitsarbeit." Und zum Schluß drückte unser Kollege seine Hoffnung im Zusammenhang mit weiteren Veranstaltungen der "Gesellschaft der Germanisten Rumäniens" aus: "Wenn die Zahl der beteiligten und zuhörenden Germanisten sich bei diesem ersten Symposion auch nur zögernd zusammenfand, mag die wissenschaftliche Ausbeute der Veranstaltung überzeugend genug sein, in Zukunft mit verstärktem Engagement an der Lösung reizvoller Forschungsfragen mitzuwirken." Für das nächste Jahr wäre wahrscheinlich nicht unangebracht, sich auf einem Symposion der "Gesellschaft der Germanisten Rumäniens" mit sprachwissenschaftlichen Fragen zu befassen. Auch Fragen der Ausbildung sowie der Tätigkeit von Deutschlehrern müßten demnächst wissenschaftlich in Angriff genommen werden. Voraussetzung dafür ist es jedoch, daß sich die Deutschlehrer als G e r m a n i s t e n begreifen und zugleich als solche ausweisen, indem sie die schädliche und subjektiv-ignorante Auffassung gewisser beamteten Kolleg(inn)en überwinden und sich der eigenen Weiterbildung und Forschung mit mehr Mut widmen. Unsere Gesellschaft der Germanisten Rumäniens und ihre Zeitschrift der Germanisten Rumäniens betrachten sie alle als vollwertige K o l l e g e n. Ihrerseits haben unsere Kollegen von den Zweigstellen eigene wissenschaftliche Veranstaltungen durchgeführt (so in Temeswar, Jassy und Klausenburg), wobei sie mit den jeweiligen Deutschlehrstühlen eng zusammengearbeitet haben. Obwohl im einzelnen nicht genau anführbar, ist es uns bekannt, daß viele unserer Kolleginnen und Kollegen sich an internationalen wissenschaftlichen Veranstaltungen beteiligt haben. In solchen Fällen wäre nicht fehl am Platze zu erwähnen, daß man Mitglied der "Gesellschaft der Germanisten Rumäniens" ist, und über unseren Fachverband Informationen zu vermitteln. Derselbe Artikel 3, Absatz c) unseres Statuts sieht zugleich die "Herausgabe von wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Veröffentlichungen" vor. Auch in diesem puncto können wir ohne falsche Bescheidenheit sagen, daß uns ein erster Schritt durchaus gelungen ist: Anfang Oktober 1992 erschien das erste Heft unserer Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, das sich einer zunehmenden Beachtung erfreut. Zur Präsentation des Heftes wurden Vertreter von Rundfunk und Fernsehen, des diplomatischen Korps, Freunde und Kollegen, die als Lehrkräfte, Journalisten, Übersetzer etc. tätig sind, eingeladen, und viele leisteten unserer Einladung Folge. Es war ein gelungenes Treffen, auf dem die Bemühungen der Germanisten unseres Landes um die Herausgabe einer eigenen Fachzeitschrift anerkennend hervorgehoben wurden. Inzwischen erreichen uns auch aus dem Ausland Stimmen der Anerkennung und der Ermunterung, auf dem angeschlagenen Weg weiterzugehen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst bringt in einem Schreiben an die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens seine Freude und Anerkennung im Zusammenhang mit der Herausgabe der Zeitung der Germanisten Rumäniens zum Ausdruck. Es wird also ganz von uns allen abhängen, das Niveau unserer Zeitschrift der Germanisten Rumäniens ständig zu heben. Auch organisatorisch muß die redaktionelle Arbeit vervollkommnet werden, damit möglichst viele Kollegen dazu herangezogen werden, um möglichst viele Aspekte unserer sowie der internationalen germanistischen Tätigkeit berücksichtigen zu können. Wir wollen auf unserem Treffen die Vorschläge für das Redaktionskollegium der "Zeitschrift der Germanisten Rumäniens", die beim Treffen des Komitees vom 27.06.1992 gemacht worden sind, erneut prüfen und darüber einen Beschluß fassen, damit die Arbeit an den nächsten Heften verstärkt vorangetrieben wird. Auch müssen wir alle Kolleginnen und Kollegen anregen, uns ihre Forschungsergebnisse zu Veröffentlichung zu überlassen und interessante Beiträge für die "Zeitschrift der Germanisten" zu liefern. Die "Gesellschaft der Germanisten Rumäniens" hat sich an etwa 30 ausländische Institutionen und Organisationen gewandt, um sie über ihre Gründung und über ihre Zielsetzungen zu informieren. Die IVG (Internationale Vereinigung für Germanische Sprach- und Literaturwissenschaften), die nur einzelne Personen als Mitglieder aufnimmt, verzeichnete die Gründung der "Gesellschaft der Germanisten Rumäniens" in einem ihrer Mitteilungsblätter. Zahlreiche Germanisten aus dem In- und Ausland haben die Gründung der "Gesellschaft der Germanisten Rumäniens" begrüßt und Interesse für ihre Tätigkeit gezeigt. Bezeichnend ist, daß Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland, die früher in Rumänien gelebt und germanistisch tätig waren, entweder schon Mitglieder der "Gesellschaft der Germanisten Rumäniens" sind oder als solche aufgenommen werden wollen. Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Bukarest bezeugte ihr Interesse für die Tätigkeit der "Gesellschaft der Germanisten Rumäniens" und vermittelte freundlicherweise Abonnements für die Südostdeutschen Vierteljahresblätter und den Fachdienst Germanistik. Etwas vernachläßigt wurde das Einsammeln der Mitgliedsbeiträge (mit Ausnahme von einigen Zweigstellen), so daß z. Z. die Finanzen der "Gesellschaft der Gesellschaft Rumäniens" recht mager aussehen. Wir hoffen, daß die Kollegen verstehen werden, daß die Gesellschaft diese finanziellen Mittel braucht, um ihre eigenen Aktivitäten zu unterstützen. Die neue Führung der "Gesellschaft der Germanisten Rumäniens" müßte zugleich nach möglichen Sponsoren Ausschau halten. Angesichts der praktischen Schwierigkeiten, die sich daraus ergaben, daß Fahrten und Unterbringung in Bukarest immer teurer wurden, sind einige Änderungen im Statut der "Gesellschaft der Germanisten Rumäniens" unumgänglich, und diese wollen wir getrennt erörtern und besprechen. Schwierig gestaltet hat sich selbst die Zusammenarbeit von Bukarester Kollegen, dennoch konnten die wichtigsten Fragen weitgehend miteinander besprochen und beschlossen werden. Gewiß lernen wir aus der praktischen Erfahrung. Die Hauptsache ist, daß wir allen noch so große Schwierigkeiten zum Trotz durchaus willens sind, unseren Fachverband organisatorisch zu festigen, unsere Tätigkeit immer sinnvoller und vielfältiger zu gestalten. Denn es liegt schließlich in unserem ureigensten Interesse, mit Hilfe der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens und unserer Zeitschrift als mündige Vertreter der germanistischen Wissenschaft in unserem Lande und in der Welt aufzutreten. Der Anfang ist - trotz Mängeln, Unzulänglichkeiten, Ungeschicklichkeiten -gemacht worden. Wollen wir also gemeinsam diesen ersten Schritten weitere folgen lassen. Wollen wir aber vor allem selbst gestehen, daß wir nicht immer g e n u g getan, nicht immer richtig gehandelt haben, um damit in Zukunft noch effektiver bei der Gestaltung unserer Aktivitäten mitzuhelfen. Kritisieren ist das Allereinfachste auf der Welt, schwieriger ist es dagegen, einen eigenen konstruktiven Beitrag zu leisten, um - nach erfüllter Pflicht - würdig zurückblicken zu können auf das gemeinsam Geleistete. Nach der organisatorischen Stärkung unseres Fachverbandes können wir den inhaltlichen Aspekten unserer Tätigkeit eine größere Aufmerksamkeit schenken. wollen wir also alle dafür sorgen, daß die Qualität unserer wissenschaftlichen Veranstaltungen, unserer Publikationen den höchsten Anforderungen entsprechen. Unsere Arbeit soll vor allem uns selber vor uns selbst bestätigen, denn darin besteht der eigentliche Sinn unseres germanistischen Wirkens. Zu diesem Zweck wollen wir eine große germanistische Tagung vorbereiten und durchführen, die die Festigung des neu erworbenen guten Rufs der rumänischen Germanistik dienen soll. Auf unserer heutigen Landeskonferenz wollen wir nun gemeinsam überlegen, was wir weiterhin zu tun haben, damit nicht nur der Fortbestand unseres Fachverbandes, sondern vor allem dessen Ausbau und Stärkung gewährleistet und dem Ansehen der Germanistik in Rumänien nach eigener Kraft gedient wird.
(Quelle: Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, Heft 2, August-Dezember 1992, S. 141-143f.)
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