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Botschaft von Rumänien,
Berlin
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Elias-Canetti-GastLehrstuhl
für interkulturelle Südosteuropa-Studien
der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
laden am
Freitag, den 13. Mai 2005, um 19.00
Uhr, in 10117 Berlin (Mitte),
Dorotheenstraße 62-66, herzlich ein zu einer
AUTORENLESUNG:
Dr. h.c.
Hans
B e r g e l
liest
aus dem Manuskript des Romans "Die
Rückkehr der Wölfe"
das Kapitel
Der Hirtentanz und die Schlacht
(Band II einer Trilogie: noch unveröffentlicht; Band I: Wenn
die Adler kommen, 1996)
Einführung: Prof.
Dr. George Guţu (Bukarest,
Frankfurt/Oder)
Die Interessenten
werden gebeten, bis zum 12. Mai 2005 bei der Botschaft von
Rumänien ihre Teilnahme anzumelden. |
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Leseprobe
(aus dem Band I, Wenn die
Adler kommen):
S.
158:
"Wie sich das anhört", sagte Großvater, der vor zwei Tagen aus
Amsterdam zurückgekehrt war, "Die Welt kennen." Er öffnete die
Silberdose und entnahm ihr eine der selbstgedrehten halben
Zigaretten, er lachte mit den Augen und sagte: "Lieber Marius,
dann müsst ihr auch die Franzosen und Belgier zum Teufel jagen,
die als tüchtige Ingenieure auf den Ölfeldern bei Ploiesti
arbeiten, die Schweden und die Deutschen, die uns die besten
Straßen hierzulande, die böhmischen Bergleute, die im Erzgebirge
die Minen bauen. Welchen Vorteil hätten die Menschen in diesem
Land davon? Nein, die Welt, von der du sprichst, bewegt sich
nicht auf die nationalen Alleingänge zu. Die Völker sind zum
Einvernehmen miteinander gezwungen. Wirtschaft, Handel und
Wissenschaft weisen ihnen den Weg dazu... Wehe dem in Zukunft,
der dies übersieht!" Er schob die halbe Zigarette ins Mundstück
aus Lindenholz und nahm es zwischen die Zähne, sah Titus an und
sagte: "Ich halte euere Ansichten für kurzsichtig und
gefährlich. Und wer weiß, frage ich mich, wer weiß, wann ihr
dann auch uns verjagt, die wir seit achthundert Jahren hier
sitzen..."
S. 285:
Wenn der Passwind von Fundata herab ins Hochland gegen Rosenau
hin um Türme und Mauern strich, sei die Stunde der
Geistergeschichten oben auf dem Schloss gekommen, erzählte sich
das Volk - im übrigen sei hier festgehalten, dass der Ire Bram
Stoker zwar behauptet, sein Romanheld Jonathan Harker habe sich
durch das nordsiebenbürgische Hochland geradewegs ostwärts über
die Stadt Bistritz dem Schloss des Grafen Dracula im Bargau-Pass
genähert. Doch das ist freie Erfindung des Dubliners. Denn der
einzige Mächtige dieser Landstriche, dessen Namen je mit dem
Teufel - mit "dracul" wie dieser im Rumänischen heißt - in
Verbindung zu bringen ist, war Vlald der Pfähler. Von 1456 bis
1462 Herrscher der Walachei in der Donautiefebene, hielt er sich
nachweislich niemals in den Ostkarpaten auf. Hingegen tat er es
in den Südkarpaten, eben auf Schloss Törzburg, wo er mit seinem
Gefolge inmitten bei lebendigem Leibe auf Pfähle gespießten
schwangerer Frauen und Kinder zechte und so zu einer der
fragwürdigsten Kultfiguren des westeuropäischen
Literaturpublikums wurde. Bram Stoker gehört damit zu jenen
Landfremden, die bis in unsere Tage herauf mit schludrigen
Nachforschungen Durcheinander in das Bild bringen, das die Welt
draußen von diesem Siebenbürgen hat. Hätte sich sonst denn die
geschiedene Helena an den Sommerabenden auf dem nahe am
Königstein gelegenen Schloss so köstlich amüsiert? |